05.01.2010 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im Januar

Liebe Musikfreunde,

wir beenden dieses Jahr mit dem letzten Teil unserer ganz eigenen Top-5-Listen. Nächste Woche gibt es mit LaBrassBanda am Donnerstag, 7. Januar ab 17:00 Uhr bei uns zum Jahresstart Livemusik, aber keinen Newsletter. Mit neuen Empfehlungen starten wir am 15. Januar. Zum LaBrassBanda-Instore-Gig empfehlen wir heute ein letztes mal zeitiges Kommen, der Eintritt ist frei, aber wenn voll ist, ist eben auch voll :-)

So und nun zu Peters Top 5

beste Grüße und einen musikalischen Rutsch ins Jahr 2010
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm

Bruce Springsteen "Working On A Dream"
Der Boss und die beste Liveband der Welt zeigen sich äußerst gutlaunig
Die letzten anderthalb Jahre waren für Bruce Springsteen und die E Street Band ereignisreich, hatten zum Schluss eine optimistische und eine traurige Note: Der Erfolg des Albums "Magic" und die triumphale Tour wurden überschattet vom Tod des Organisten Danny Federici. Die Zukunft der Band schien ungewiss. Wie sollte es weitergehen? Springsteen entschied sich für den Optimismus und ging noch während der "Magic”-Tour mit der eingespielten E Street Band ins Studio. Hier erfindet er sich erwartungsgemäß nicht neu, sondern nimmt die positive Stimmung die sich bei ihm auch während des Obama-Wahlkampfes breit gemacht hat auf und liefert dreizehn neue Songs, die völlig unter dem Motto "Working On A Dream” stehen. Was beim ersten Hören fast gefällig wirkt, verlässt nach öfterem Hören das Hirn nicht mehr. Das Album weckt mit all den Ingrediezien des klassischen Springsteen-Sounds immer wieder die Lust auf "Play” zu drücken, oder gar mehr, z.B. am 2. Juli 2009 im Münchner Olympiastadion live. Bei uns natürlich in der Sonderedition mit DVD!

Miss Li "Dancing The Whole Way Home"
Leichtfüßiges Sommeralbum aus Schweden

Einflüsse aus Chanson, Jazz und Blues, mit einem Wort Musik von früher, finden sich in Miss Lis Liedern, aber am Ende ist es lupenreiner und äußerst zeitgemäßer Pop. Allerdings münden die betonte Lässigkeit und die Leichtfüßigkeit der Schwedin, die die elf Songs der Platte zusammen mit ihrem Gitarristen Sonny Boy Gustafsson geschrieben hat, niemals in Oberflächlichkeit. Im Gegenteil - die Stücke auf "Dancing The Whole Way Home", meist opulent mit Streichern, Piano und Bläsern instrumentiert, umweht stets ein Hauch der Eleganz, die man sonst nur aus der Pop-Musik der 50er und 60er Jahre kennt. Wohltuend altmodisch und charmant, aber keineswegs angestaubt. Diese leichtfüßige Sommerplatte zeigt uns außerdem ein weiteres mal, dass Popmusik nichts mit dummen Texten zu tun hat. Und so läd uns diese Platte tatsächlich dazu ein den ganzen Weg nach Hause zu tanzen, Schweden als Mutterland des Pop zu akzeptieren (nur ein Scherz) und den Sommer in unsere Herzen zu lassen, egal wie das Wetter ist.

Allen Toussaint "The Bright Mississippi"
Ganz großer Wurf des genialen Teams Joe Henry / Allen Toussaint
Die inzwischen 71-jährige New Orleans Legende Allen Toussaint begibt sich auf ungewohntes Terrain. Produziert von Joe Henry bietet "The Bright Mississippi” Songs von u.a. Sidney Bechet, Jelly Roll Morton, Django Reinhardt, Thelonious Monk, Duke Ellington und Billy Strayhorn. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass Toussaint diese Verbeugung vor den Großen nicht mit seinen Kumpels aus New Orleans einspielt, sondern mit Musikern wie Klarinetist Don Byron, Trompeter Nicholas Payton, Gitarrist Marc Ribot, Drummer Jay Bellerose und David Piltch am Bass. Dieser "Taschenspielertrick” von Joe Henry außer Nicholas Payton keine NOLA-Musiker einzuladen, der bei Allen Toussaint erst für Erstaunen sorgte, gibt diesem Album seine ganz besondere Magie. Hier werden nicht Klassiker zum 100sten mal gespielt, diese All Star Band haucht ihnen komplett neues Leben ein und sorgt so mit "The Bright Mississippi” für eins der Jazz-Alben des Jahres.

Eels "Hombre Lobo"
Endlich ein neues Album der wunderbaren Eels
"12 Songs Of Desire", so der Untertitel der neuen Scheibe von Mark Oliver Everett (aka E) und seinen Kollegen Knuckles und Kool G Murder. Klingt alles dunkler, als es letztendlich ist. Wobei etwa bei "Tremendous Dynamite" schon recht düster drauflosgerockt wird. Aber es gibt natürlich auch wieder lockere Pop-Hits, wie "Lilac Breeze" oder "Beginner's Luck" und schöne Balladen ("The Longing"œ, "All The Beautiful Things") und bei "Fresh Blood" werden sogar elektronische Dancefloor-Elemente gekonnt in den Eels-Sound integriert. Zum Werwolf-Konzept des Albums: "I was thinking, "What happens when the young "Dog Faced Boy" [vom 2001er Album "Souljacker"] grows up?" He tries to function in society. But he can't get past the fact that he's still likened to an animal. I I figured the best he could do was to become a dignified old werewolf." so E. Und da er keine autobiographischen Songs über einen einsamen alten Indie-Rocker schreiben wollte, stürzte er sich auf diesen Charakter. Ist aber wie E kein "Ordinary Man". "Well if you need me I'm right here" lautet die erste Zeile des Albums und ja, es ist schön, dass die Eels wieder zurück sind, man hat sie doch irgendwie vermisst und wer sie noch nicht kennt, wird nach dem Hören dieses Albums vielleicht feststellen, warum E und Co. süchtig machen.

Norah Jones "The Fall"
Das vierte Norah Jones Album mit Songwritern wie Ryan Adams und Will Sheff von Okkerville River
Sie hat acht Jahre mit den selben Jungs rumgehangen, allein vom Debüt "Come Away With Me" 20 Millionen Stück verkauft und uns mit ihrem unwiderstehlichem Gesang umschmeichelt. Und nun, Norah? Das einzig richtige! Nachdem sie sich 2008 persönlich und 'geschäftlich' von ihrem langjährigen Freund und Bassisten Lee Alexander getrennt hat, kommt nun der Neustart. Viele der neuen Songs wurden auf der Gitarre statt auf dem Klavier komponiert, die neue Band besteht mit Menschen wie Schlagzeuger Joey Waronker (Beck, R. E.M.), Keyboarder James Poyser (Erykah Badu, Al Green) und dem Gitarristen Marc Ribot aus ausgefallenen, eigenständigen Musikern und Produzent Jacquire King hat nicht versucht Klischees zu erfüllen sondern Norah Jones und ihre Band einfach machen lassen. Entstanden ist so ein sehr persönliches und frisches Album, das uns ebenso lang wie "Come Away With Me" begleiten wird ohne in genau dieselbe Kerbe zu schlagen. Grooviger, abgespeckter. Ob "The Fall" der große kommerzielle Erfolg wird sei dahingestellt, aber Musikfreunde werden dieses Album lieben!

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