17.01.2010 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im Januar
Liebe Musikfreunde,
euch allen ein herzlich schönes und vor allem musikalisches neues Jahr 2010. Viele von euch haben ja mit uns den Einstand nahezu perfekt letzte Woche mit LaBrassBanda bei uns im Laden gefeiert. Vielen Dank an alle, die da waren und an alle, die so geduldig vor der Tür lauschten, weil im Laden einfach nix mehr ging. Fotos könnt ihr bei unseren vergangenen Events sehen.
Das neue Jahr sprudelt natürlich mit neuen Musiken nicht gleich in der ersten Woche los, dennoch haben wir einige Empfehlungen für euch. Dem aufmerksamen Leser fällt natürlich auf, dass wir mit einem Tipp weniger starten. Wem das zu wenig ist, sei gesagt, dass seit Ende 2009 alle bisher erschienenen "Freitag ist Musiktag"-Newsletter in unserem Archiv einzusehen sind. Einfach rechts oben die Kalenderwoche auswählen und viel Spaß beim Lesen.
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Laura Veirs "July Flame"
Wundervoll zurückhaltendes Neofolk Album, das gekonnt in den Bann zieht "July Flame" ist das siebte Album von Laura Veirs und wurde zusammen mit ihrem musikalischen Wegbegleiter und Produzenten Tucker Martine größtenteils in heimischer Atmosphäre in einer umgebauten Scheune hinter ihrem Haus aufgenommen.Und wie schon bei den Vorgängeralben drängt sich die Schönheit und Qulität des Albums nicht auf, sondern erschließt sich langsam und beständig. Wie immer sind es die wunderbaren Songs – im weitesten Sinne Neo-Folk-Lieder, gerne aber auch mal grooviger Pop -, die ungreifbare Aura von Laura Veirs und der schlichtweg schwerelos transparente Sound, die "July Flame" über kurz oder lang in den Playern fesseln. Und das obwohl dieses Album eigentlich eine Sommerplatte ist und so gar nicht in die verschneite Umwelt passen möchte. Oder gerade deshalb, weil eben diese immer reduziert wirkenden Songs eine Sehnsucht wecken und uns das Herz wärmen. "Life is good when you dance all night and the world transmits electric power" singt die Dame aus dem amerikanischen Nordwesten. Eben!
Heinz Sauer, Michael Wollny, Joachim Kühn "If Blue Then Blue"
Tiefe Verbeugung vor einem Wegbereiter des modernen Jazz
Vielleicht ist es das beste Jazzalbum aller Zeiten, bestimmt aber eins der zehn wichtigsten: "Kind of Blue" von Miles Davis. Erschienen ist es 1959 und zum 50-jährigen Jubiläum haben sich Heinz Sauer, Michael Wollny und Joachim Kühn von dem großen Klassiker zu "If (Blue) then Blue" inspirieren lassen. ACT-Chef Siggi Loch hatte die Idee, Sauer im Wechsel mit dessen derzeitigem Lieblingspianisten, dem 31-jährigen Romantiker Michael Wollny und mit Joachim Kühn, dem pianistischen Urgestein der Free-Jazz-Avantgarde, Reflexionen und Reaktionen auf den epochalen Miles-Davis-Klassiker entwickeln zu lassen. Allerdings nie im Trio sondern in zwei Duos bei denen sich die beiden Pianisten abwechseln. Ein halbes Jahrhundert nach dem Davis "Kind of Blue" einspielte und ein halbes Jahrhundert nach dem der inzwischen 77-jährige Heinz Sauer im Albert-Mangelsdorff-Quintett seine Lesart von John Coltrane form ulierte, überzeugt "If (Blue) then Blue" durch relativ kompromisslosen Jazz. Hier wird nichts verklärt oder aufpoliert, ein paar Noten, ein Thema und die Herren agieren in freier Interaktion. 16 Miniaturen sind entstanden, die den Jazz-affinen Hörer mitnehmen und über lange Zeit begeistern. Spannend!
Brett Hunt "Corrugated Road"
Heißt Americana aus Down Under 'Australia'?
Brett Hunt kommt aus der Middle of Nowhere in Australien, schreibt Songs, die er auf ca. 250 Konzerten pro Jahr live präsentiert und hat in seiner Heimat auch schon einige CDs veröffentlicht. In Deutschland ist er bis dato weitestgehend unbekannt. Als ihm eines Nachts sein Tourbus auf offener Strecke im Outback stehen bleibt, findet er in der Gartenhütte in einem kleinen Örtchen in der Nähe des Highways Unterschlupf und bleibt dort fast ein ganzes Jahr. "In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich eine Pause vom ständigen Touren brauchte, um an meinem Songwriting zu arbeiten.", sagt er. Die Songs die dort entstanden sind finden wir auf "Corrugated Road", das in Australien auch schon vor drei Jahren erschien. Zehn bemerkenswert gute Songs, die von Fernweh und der Weite des Landes handeln ohne dabei nur übliche Klischees zu bedienen. Denn wer jetzt spröden Folk erwartet, wir überrascht. Hunt vari iert neben Akustikgitarre, Drums und Kontrabass, mit Piano, Pedal Steel, E-Gitarre, Hammondorgel und diversen Streichern und verleiht damit seinen Songs ein jeweils eigenes Gesicht. "Corrugated Road" ist ein wunderbares Singer/Songwriter-Album, das natürlich schon ein bisschen nach Sommer riecht. Falsche Veröffentlichungszeit kann man sagen, aber vielleicht leben wir auch nur auf der falschen Seite der Erde.
Otros Aires "Vivo En Otros Aires"
Sehr warme Live-Mischung von Elektronika und Tango
Auch wenn diese Live-CD bereits während der Tour 2007 eingespielt wurde und schon Anfang 2009 erschien, ist sie immer noch eine Empfehlung wert. Otros Aires gehört ohne Zweifel zu den wohl populärsten Vertretern der elektronischen Tangoszene und nach zwei Studioalben war eine Live-Einspielung fast logisch. Anfänglich beeinflusst durch die Mestizo-Welle in Barcelona, platzte die Band in die katalanische Szene mit einer audio-visuellen Show, bei der die Ästhetik des Hafenviertels von Buenos Aires zu Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Tango, der Einwanderung, Gardel, der Milonga, den typischen Orchestern und einer großen Vielfalt an Stilen sowie der Elektronischen Musik fusioniert werden. Gerade live ist das mehr als beeindruckend. Das Zusammenspiel der Elektronik mit der Wärme der akustischen Instrumente dazu die Stimme von Miguel Di Genova wird nicht nur uns sondern sowohl Freunde des Gotan Projects als auch Fans von Ta ngo ohne Scheuklappen viel Spaß machen.
Liebe Musikfreunde,
euch allen ein herzlich schönes und vor allem musikalisches neues Jahr 2010. Viele von euch haben ja mit uns den Einstand nahezu perfekt letzte Woche mit LaBrassBanda bei uns im Laden gefeiert. Vielen Dank an alle, die da waren und an alle, die so geduldig vor der Tür lauschten, weil im Laden einfach nix mehr ging. Fotos könnt ihr bei unseren vergangenen Events sehen.
Das neue Jahr sprudelt natürlich mit neuen Musiken nicht gleich in der ersten Woche los, dennoch haben wir einige Empfehlungen für euch. Dem aufmerksamen Leser fällt natürlich auf, dass wir mit einem Tipp weniger starten. Wem das zu wenig ist, sei gesagt, dass seit Ende 2009 alle bisher erschienenen "Freitag ist Musiktag"-Newsletter in unserem Archiv einzusehen sind. Einfach rechts oben die Kalenderwoche auswählen und viel Spaß beim Lesen.
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Laura Veirs "July Flame"
Wundervoll zurückhaltendes Neofolk Album, das gekonnt in den Bann zieht "July Flame" ist das siebte Album von Laura Veirs und wurde zusammen mit ihrem musikalischen Wegbegleiter und Produzenten Tucker Martine größtenteils in heimischer Atmosphäre in einer umgebauten Scheune hinter ihrem Haus aufgenommen.Und wie schon bei den Vorgängeralben drängt sich die Schönheit und Qulität des Albums nicht auf, sondern erschließt sich langsam und beständig. Wie immer sind es die wunderbaren Songs – im weitesten Sinne Neo-Folk-Lieder, gerne aber auch mal grooviger Pop -, die ungreifbare Aura von Laura Veirs und der schlichtweg schwerelos transparente Sound, die "July Flame" über kurz oder lang in den Playern fesseln. Und das obwohl dieses Album eigentlich eine Sommerplatte ist und so gar nicht in die verschneite Umwelt passen möchte. Oder gerade deshalb, weil eben diese immer reduziert wirkenden Songs eine Sehnsucht wecken und uns das Herz wärmen. "Life is good when you dance all night and the world transmits electric power" singt die Dame aus dem amerikanischen Nordwesten. Eben!
Heinz Sauer, Michael Wollny, Joachim Kühn "If Blue Then Blue"
Tiefe Verbeugung vor einem Wegbereiter des modernen Jazz
Vielleicht ist es das beste Jazzalbum aller Zeiten, bestimmt aber eins der zehn wichtigsten: "Kind of Blue" von Miles Davis. Erschienen ist es 1959 und zum 50-jährigen Jubiläum haben sich Heinz Sauer, Michael Wollny und Joachim Kühn von dem großen Klassiker zu "If (Blue) then Blue" inspirieren lassen. ACT-Chef Siggi Loch hatte die Idee, Sauer im Wechsel mit dessen derzeitigem Lieblingspianisten, dem 31-jährigen Romantiker Michael Wollny und mit Joachim Kühn, dem pianistischen Urgestein der Free-Jazz-Avantgarde, Reflexionen und Reaktionen auf den epochalen Miles-Davis-Klassiker entwickeln zu lassen. Allerdings nie im Trio sondern in zwei Duos bei denen sich die beiden Pianisten abwechseln. Ein halbes Jahrhundert nach dem Davis "Kind of Blue" einspielte und ein halbes Jahrhundert nach dem der inzwischen 77-jährige Heinz Sauer im Albert-Mangelsdorff-Quintett seine Lesart von John Coltrane form ulierte, überzeugt "If (Blue) then Blue" durch relativ kompromisslosen Jazz. Hier wird nichts verklärt oder aufpoliert, ein paar Noten, ein Thema und die Herren agieren in freier Interaktion. 16 Miniaturen sind entstanden, die den Jazz-affinen Hörer mitnehmen und über lange Zeit begeistern. Spannend!
Brett Hunt "Corrugated Road"
Heißt Americana aus Down Under 'Australia'?
Brett Hunt kommt aus der Middle of Nowhere in Australien, schreibt Songs, die er auf ca. 250 Konzerten pro Jahr live präsentiert und hat in seiner Heimat auch schon einige CDs veröffentlicht. In Deutschland ist er bis dato weitestgehend unbekannt. Als ihm eines Nachts sein Tourbus auf offener Strecke im Outback stehen bleibt, findet er in der Gartenhütte in einem kleinen Örtchen in der Nähe des Highways Unterschlupf und bleibt dort fast ein ganzes Jahr. "In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich eine Pause vom ständigen Touren brauchte, um an meinem Songwriting zu arbeiten.", sagt er. Die Songs die dort entstanden sind finden wir auf "Corrugated Road", das in Australien auch schon vor drei Jahren erschien. Zehn bemerkenswert gute Songs, die von Fernweh und der Weite des Landes handeln ohne dabei nur übliche Klischees zu bedienen. Denn wer jetzt spröden Folk erwartet, wir überrascht. Hunt vari iert neben Akustikgitarre, Drums und Kontrabass, mit Piano, Pedal Steel, E-Gitarre, Hammondorgel und diversen Streichern und verleiht damit seinen Songs ein jeweils eigenes Gesicht. "Corrugated Road" ist ein wunderbares Singer/Songwriter-Album, das natürlich schon ein bisschen nach Sommer riecht. Falsche Veröffentlichungszeit kann man sagen, aber vielleicht leben wir auch nur auf der falschen Seite der Erde.
Otros Aires "Vivo En Otros Aires"
Sehr warme Live-Mischung von Elektronika und Tango
Auch wenn diese Live-CD bereits während der Tour 2007 eingespielt wurde und schon Anfang 2009 erschien, ist sie immer noch eine Empfehlung wert. Otros Aires gehört ohne Zweifel zu den wohl populärsten Vertretern der elektronischen Tangoszene und nach zwei Studioalben war eine Live-Einspielung fast logisch. Anfänglich beeinflusst durch die Mestizo-Welle in Barcelona, platzte die Band in die katalanische Szene mit einer audio-visuellen Show, bei der die Ästhetik des Hafenviertels von Buenos Aires zu Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Tango, der Einwanderung, Gardel, der Milonga, den typischen Orchestern und einer großen Vielfalt an Stilen sowie der Elektronischen Musik fusioniert werden. Gerade live ist das mehr als beeindruckend. Das Zusammenspiel der Elektronik mit der Wärme der akustischen Instrumente dazu die Stimme von Miguel Di Genova wird nicht nur uns sondern sowohl Freunde des Gotan Projects als auch Fans von Ta ngo ohne Scheuklappen viel Spaß machen.







