09.02.2012 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im Januar und Februar 2012
Die CD-Tipps von Bongartz Musik im Januar und Februar 2012
Begehren, Liebe, Vergänglichkeit, Gott
Ganz kurz Musik und dann diese Stimme "I’d love to speak to Leonard, he’s a sportsman and a shepherd. He’s a lazy bastard living in a suit.". "Old Ideas" ist das erste Leonard Cohen-Album seit acht Jahren, das erste seitdem er wohl wegen des Geldes wieder zur Musik kam, nachdem sich seine Managerin mit – so sagt man – ca. 8 Millionen vom Acker gemacht hat. Cohens Stimme ist noch tiefer, noch melancholischer, noch größer. Die äußerst karge Musik, die mit jeder Note, die sie nicht spielt, begeistert, trägt sie auf einer Wolke, die Background-Sängerinnen umtänzeln sie und über allem ist Leonard Cohen, eindringlich, warm und beruhigend. Die Melancholie des anderen kann so tröstend sein. Die Themen sind die ewig gleichen, wohl die einzigen, die zählen: Begehren, Liebe, Vergänglichkeit, Gott. Zehn neue Lieder birgt "Old Ideas" ;, zehn Lieder in die man sich einkuschelt und dann versinkt, zehn Lieder mit hypnotischer Musik und erzählend, gesungen-gesprochenen Gedichten, zehn Lieder, die eins klar machen: Leonard Cohen hat ein Meisterwerk eingespielt.
Portico Quartet "Portico Quartet"
Jazz? Minimal? Weltmusik? Soundtrack? Frische Klangwelten aus London
Es ist wieder "Hang-Zeit”. Auch auf ihrem neuen Album erschaffen die vier jungen Jazzer aus England einen unglaublich Soundkosmos aus Schlagzeug, Bass, Saxophon, feiner Elektronik und eben jenem magischen Instrument, das dieses Quartett so einzigartig macht - der Hang. Mit perkussiver Melodie liefert Keir Vine an der Hang immer wieder ein Grundkonzept zu den meist instrumentalen Songs. Und immer wieder fragt man sich, wie es funktioniert, diesem "Stahl-Ufo” solch schöne, sphärische Klänge zu entlocken. Aber auch der Rest der Band trägt entscheidend zur Dichte dieses Albums bei. Mal klingt das Ensemble wie eine eine progressivere Variante von Jan Garbarek und wahrscheinlich gehört auch ein Esbjörn Svenson Trio oder Bugge Wesseltoft zu den musikalischen Einflüssen. Zumindest entdeckt man Passagen, die einem genauso gefallen können. Dennoch erschafft das Port ico Quartet auch mit ihrem dritten Album eine ganz eigenwilligere Stimmung, die ihren Sound sehr variabel macht und immer wieder positiv überrascht.
Various "Odd Couples - What Were They Thinking?"
Lounge mal ganz anders - wunderschöne Seltsamkeiten aus Großvaters Archiven
Das Plattenlabel Bear Family gehört wahrscheinlich zu den findigsten was das Heben alter Musikschätze angeht. Auf der hier vorliegenden Zusammenstellung mit klanglich großartig herausgeputzten Aufnahmen aus den frühen 1950er bis 1960 Jahren, beweist die in Norddeutschland ansässige Firma erneut dieses Gespür. Und dabei zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, ist schon famos. So besteht dieser Sampler zum Einen aus den wahrscheinlich seltsamsten Duetten der damaligen Zeit und schafft zum Zweiten aber eine kontinuierliche Atmossphäre, die man als Roots-Lounge bezeichnen könnte oder zuweilen sogar als Country-Chillout. Es tauchen auf dieser 20-Track-Compilation nur wenige MusikerInnen auf, die weit über die Grenzen ihres Genres oder Landes hinaus bekannt waren/sind. Die gängigsten sind wohl noch Rosemary Clooney, Eddy Arnold, Perry Como und natürlich Louis Armstrong, der sich auf köstliche Weise mit Lotte Lenya, Kurt Weill’s Frau, stilecht um "Mack the Knife” kümmert. Ansonsten paaren sich z.B. auf "Odd Couples - What Were They Thinking?” Country-Haudegen mit brasilianischen Guitarreros oder man hört den jodelnden "Cattle Call” als orchestralen Sound im Breitwandfilmformat. Zudem wird man historisch mit einem umfassenden 46-Seiten Booklet aufgeklärt und kann sich noch mehr dieser wunderbaren Platte hingeben.
Dub Spencer & Trance Hill mit Umberto Echo "Too Big To Fail"
Die schweizer Super-Dub-Combo bleibt fest im Sattel
Mit "Too Big To Fail” legen die vier Schweizer Dub-Spezialisten ihren fünften Longplayer vor - und sie haben Zuwachs bekommen. Als neuer Gringo schwingt sich Umberto Echo auf den Gaul und zieht den Stetson tiefer ins Gesicht. Obwohl er schon selber auf dem Label Echo Beach in den letzten Jahren aktiv war, so ist die Verbindung mit Dub Spencer & Trance Hill auf Albumlänge eine Neue. Also traben sie nun gemächlichen Schrittes über das steppenhafte Geläuf und schaukeln auf ihren Pferden der Sonne entgegen. Mit großartigem Gespür für die richtige Stimmung und die passenden Sounds dazu, blubbern, hallen und dubben die fünf tiefenentspannt durch warme Bassläufe, feine Gitarrenriffs und reduzierte Drums. Dennoch gelingt es ihnen dabei recht kompakt zu klingen und sich nicht weiter aufzulösen, als es im handgemachten Dub nötig ist. Jeder Instrumen tal-Track ist eine kleine, knuffige Dub-Schachtel, die, erst einmal geöffnet, ihren betörenden Duft gerne im ganzen Raum verbreitet. Und so fliegt man auf dem fein austarierten Teppich aus schönen Sounds durch die 14 Lieder und freut sich über jede Hörenswürdigkeit die im Vorbeiflug das Ohr streift. Egal was Dub Spencer & Trance Hill mit Umberto Echo anfassen, sie sind "Too Big To Fail” ! Wer die Jungs mal Live erleben möchte, der sollte am 9. März zum Morphclub nach Bamberg reiten.
Die CD-Tipps von Bongartz Musik im Januar und Februar 2012
Begehren, Liebe, Vergänglichkeit, Gott
Ganz kurz Musik und dann diese Stimme "I’d love to speak to Leonard, he’s a sportsman and a shepherd. He’s a lazy bastard living in a suit.". "Old Ideas" ist das erste Leonard Cohen-Album seit acht Jahren, das erste seitdem er wohl wegen des Geldes wieder zur Musik kam, nachdem sich seine Managerin mit – so sagt man – ca. 8 Millionen vom Acker gemacht hat. Cohens Stimme ist noch tiefer, noch melancholischer, noch größer. Die äußerst karge Musik, die mit jeder Note, die sie nicht spielt, begeistert, trägt sie auf einer Wolke, die Background-Sängerinnen umtänzeln sie und über allem ist Leonard Cohen, eindringlich, warm und beruhigend. Die Melancholie des anderen kann so tröstend sein. Die Themen sind die ewig gleichen, wohl die einzigen, die zählen: Begehren, Liebe, Vergänglichkeit, Gott. Zehn neue Lieder birgt "Old Ideas" ;, zehn Lieder in die man sich einkuschelt und dann versinkt, zehn Lieder mit hypnotischer Musik und erzählend, gesungen-gesprochenen Gedichten, zehn Lieder, die eins klar machen: Leonard Cohen hat ein Meisterwerk eingespielt.
Portico Quartet "Portico Quartet"
Jazz? Minimal? Weltmusik? Soundtrack? Frische Klangwelten aus London
Es ist wieder "Hang-Zeit”. Auch auf ihrem neuen Album erschaffen die vier jungen Jazzer aus England einen unglaublich Soundkosmos aus Schlagzeug, Bass, Saxophon, feiner Elektronik und eben jenem magischen Instrument, das dieses Quartett so einzigartig macht - der Hang. Mit perkussiver Melodie liefert Keir Vine an der Hang immer wieder ein Grundkonzept zu den meist instrumentalen Songs. Und immer wieder fragt man sich, wie es funktioniert, diesem "Stahl-Ufo” solch schöne, sphärische Klänge zu entlocken. Aber auch der Rest der Band trägt entscheidend zur Dichte dieses Albums bei. Mal klingt das Ensemble wie eine eine progressivere Variante von Jan Garbarek und wahrscheinlich gehört auch ein Esbjörn Svenson Trio oder Bugge Wesseltoft zu den musikalischen Einflüssen. Zumindest entdeckt man Passagen, die einem genauso gefallen können. Dennoch erschafft das Port ico Quartet auch mit ihrem dritten Album eine ganz eigenwilligere Stimmung, die ihren Sound sehr variabel macht und immer wieder positiv überrascht.
Various "Odd Couples - What Were They Thinking?"
Lounge mal ganz anders - wunderschöne Seltsamkeiten aus Großvaters Archiven
Das Plattenlabel Bear Family gehört wahrscheinlich zu den findigsten was das Heben alter Musikschätze angeht. Auf der hier vorliegenden Zusammenstellung mit klanglich großartig herausgeputzten Aufnahmen aus den frühen 1950er bis 1960 Jahren, beweist die in Norddeutschland ansässige Firma erneut dieses Gespür. Und dabei zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, ist schon famos. So besteht dieser Sampler zum Einen aus den wahrscheinlich seltsamsten Duetten der damaligen Zeit und schafft zum Zweiten aber eine kontinuierliche Atmossphäre, die man als Roots-Lounge bezeichnen könnte oder zuweilen sogar als Country-Chillout. Es tauchen auf dieser 20-Track-Compilation nur wenige MusikerInnen auf, die weit über die Grenzen ihres Genres oder Landes hinaus bekannt waren/sind. Die gängigsten sind wohl noch Rosemary Clooney, Eddy Arnold, Perry Como und natürlich Louis Armstrong, der sich auf köstliche Weise mit Lotte Lenya, Kurt Weill’s Frau, stilecht um "Mack the Knife” kümmert. Ansonsten paaren sich z.B. auf "Odd Couples - What Were They Thinking?” Country-Haudegen mit brasilianischen Guitarreros oder man hört den jodelnden "Cattle Call” als orchestralen Sound im Breitwandfilmformat. Zudem wird man historisch mit einem umfassenden 46-Seiten Booklet aufgeklärt und kann sich noch mehr dieser wunderbaren Platte hingeben.
Dub Spencer & Trance Hill mit Umberto Echo "Too Big To Fail"
Die schweizer Super-Dub-Combo bleibt fest im Sattel
Mit "Too Big To Fail” legen die vier Schweizer Dub-Spezialisten ihren fünften Longplayer vor - und sie haben Zuwachs bekommen. Als neuer Gringo schwingt sich Umberto Echo auf den Gaul und zieht den Stetson tiefer ins Gesicht. Obwohl er schon selber auf dem Label Echo Beach in den letzten Jahren aktiv war, so ist die Verbindung mit Dub Spencer & Trance Hill auf Albumlänge eine Neue. Also traben sie nun gemächlichen Schrittes über das steppenhafte Geläuf und schaukeln auf ihren Pferden der Sonne entgegen. Mit großartigem Gespür für die richtige Stimmung und die passenden Sounds dazu, blubbern, hallen und dubben die fünf tiefenentspannt durch warme Bassläufe, feine Gitarrenriffs und reduzierte Drums. Dennoch gelingt es ihnen dabei recht kompakt zu klingen und sich nicht weiter aufzulösen, als es im handgemachten Dub nötig ist. Jeder Instrumen tal-Track ist eine kleine, knuffige Dub-Schachtel, die, erst einmal geöffnet, ihren betörenden Duft gerne im ganzen Raum verbreitet. Und so fliegt man auf dem fein austarierten Teppich aus schönen Sounds durch die 14 Lieder und freut sich über jede Hörenswürdigkeit die im Vorbeiflug das Ohr streift. Egal was Dub Spencer & Trance Hill mit Umberto Echo anfassen, sie sind "Too Big To Fail” ! Wer die Jungs mal Live erleben möchte, der sollte am 9. März zum Morphclub nach Bamberg reiten.







