
Großes Kino, clever geplant
Luxuriöses Heimkino ohne Materialschlacht
Ein eigenes Kino im Haus – mit fast vier Meter breiter Cinemascope-Leinwand, 4K-Projektion und einem ausgewachsenen 7.2.4-Lautsprechersystem – klingt zunächst nach einem Projekt, bei dem kaum Aufwand gescheut wird. Dass echter Heimkino-Luxus aber nicht daraus entstehen muss, einfach möglichst teure Technik einzusetzen, zeigt diese Installation des HiFi Forum Baiersdorf in Ingolstadt.
Im Mittelpunkt standen eine sorgfältige Planung, sinnvoll ausgewählte Komponenten und deren konsequente Abstimmung auf den Raum. So entstand ein Heimkino, bei dem Bild, Ton, Akustik, Technik und Bedienung zu einem stimmigen Gesamtkonzept verschmelzen.
"Nur" ein Heimkino
Das HiFi Forum Baiersdorf denkt längst über die klassische HiFi-Anlage hinaus. Zum Portfolio gehören komplette Medienkonzepte für Häuser und Wohnungen – von Audio- und Videotechnik über Konferenz- und Steuerungslösungen bis hin zu Sicherheitskonzepten und der Beschallung von Außenbereichen. Für solche Projekte arbeitet das HiFi Forum mit spezialisierten Partnern für Innenausbau und Einrichtung zusammen. Dass eine derart umfassende Planung und Umsetzung ein gewisses Budget voraussetzt, versteht sich beinahe von selbst.
Manchmal darf es aber auch „nur“ ein Heimkino sein. Wie bei diesem Projekt in Ingolstadt. Und auch dabei muss nicht zwingend einer der bewährten Ausbaupartner des HiFi Forums zum Einsatz kommen. Der Kunde wollte den Innenausbau mit einem Unternehmen seiner Wahl realisieren – für die Baiersdorfer kein Problem. Entscheidend ist vielmehr, dass Innenausbau und Heimkinotechnik von Anfang an Hand in Hand geplant werden. Deshalb übernahm das HiFi Forum neben der Konzeption der Bild- und Tontechnik auch die Beratung für den akustischen Ausbau sowie die Bauüberwachung.
Auch bei der Auswahl der Komponenten galt es, Qualitätsanspruch und Budget mit Augenmaß miteinander zu verbinden. Gespart wurde nicht an den Stellen, die für das Kinoerlebnis entscheidend sind: Eine knapp vier Meter breite, mikroperforierte Cinemascope-Leinwand von Stewart oder die konsequente Bestückung mit Bowers-&-Wilkins-Lautsprechern bis hin zum 7.2.4-Setup zeigen den hohen Anspruch. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, nicht jedem technisch Machbaren hinterherzulaufen, sondern das Budget dort einzusetzen, wo es für Bild, Klang und Gesamterlebnis den größten Nutzen bringt.
Die Leinwand macht den Unterschied
Bei einer Bildbreite von knapp vier Metern kommt der Leinwand eine entscheidende Rolle zu. Hier fiel die Wahl deshalb auf eine hochwertige Rahmenleinwand von Stewart Filmscreen im Cinemascope-Format 21:9. Ihre Besonderheit ist die akustische Transparenz: Die Frontlautsprecher können hinter der Leinwand verschwinden, sodass Stimmen und Geräusche tatsächlich aus dem Bild und nicht von ober- oder unterhalb der Projektionsfläche zu kommen scheinen. Im konkreten Projekt misst die Leinwand 3,924 Meter in der Breite.
Die notwendige Schalldurchlässigkeit erreicht Stewart durch eine äußerst feine und präzise Mikroperforation der Projektionsfläche. Bei Stewarts MicroPerf-Technik verteilen sich mehr als 30.000 winzige Öffnungen auf einem Quadratfuß Leinwandfläche. Dadurch kann der Schall die Projektionsfläche mit vergleichsweise geringer Beeinflussung passieren, während gleichzeitig eine homogene Bildfläche erhalten bleibt. Ein zusätzlicher schwarzer Stoff unmittelbar hinter der Projektionsfläche, der die akustische Dämpfung weiter erhöhen könnte, ist bei diesem Prinzip nicht erforderlich.
Großes Bild: Epson trifft Stewart
Bei einer fast vier Meter breiten Leinwand darf der Projektor nicht zum Flaschenhals werden. Gleichzeitig bestand auch hier nicht der Anspruch, um jeden Preis das teuerste verfügbare Gerät einzusetzen. Die Wahl fiel auf den Epson EH-LS12000B, der mit seiner Laserlichtquelle und einer Lichtleistung von 2.700 Lumen genügend Reserven für ein entsprechend großes Bild mitbringt. Epson setzt dabei auf seine 3LCD-Technik und erzeugt mittels Pixel-Shifting eine 4K-Darstellung mit 8,3 Millionen Bildpunkten. HDR10+ gehört ebenfalls zum Repertoire.
Für die konkrete Installation mindestens ebenso wichtig wie die reine Bildqualität ist die ausgesprochen flexible Optik. Zoom, Fokus und Lens Shift lassen sich vollständig motorisch einstellen. Der 2,1-fache Zoom und ein großer Lens-Shift-Bereich gibt dem Installateur viel Spielraum bei der Positionierung des Projektors. Bis zu zehn Objektivpositionen können gespeichert werden.
Gerade Letzteres spielt bei der 21:9-Leinwand seine Stärke aus. Unterschiedliche Bildformate lassen sich über gespeicherte Objektivpositionen komfortabel an die Leinwand anpassen. Für Cinemascope-Filme kann das Bild die 3,92 Meter breite Projektionsfläche ausnutzen, während sich für 16:9-Inhalte eine entsprechend kleinere Darstellung abrufen lässt. Der Wechsel erfolgt über die motorisierte Optik, ohne dass Zoom, Fokus und Bildposition jedes Mal von Hand neu eingestellt werden müssen. Die Fernbedienung besitzt dafür sogar zwei Tasten zum direkten Aufruf gespeicherter Objektivpositionen.
Auch die Laserlichtquelle passt gut zum Charakter eines solchen Heimkinos. Epson gibt ihre Lebensdauer mit bis zu 20.000 Stunden an. Hinzu kommen praktisch keine Aufwärm- und Abkühlzeiten: Der Projektor erreicht seine Helligkeit nahezu unmittelbar und lässt sich ebenso schnell wieder ausschalten.
Und noch ein Punkt ist interessant, weil im Kino eine PlayStation 5 vorgesehen ist: Der LS12000 verarbeitet über HDMI auch 4K-Signale mit 120 Bildern pro Sekunde. Damit ist die Projektion nicht nur für Film, sondern auch für Gaming ausgelegt.
Für Film, Sport und Gaming
Damit ist die Man Cave komplett: Denn was nützen das große, nahezu vier Meter breite Bild und der immersive 3D-Sound, wenn es an den passenden Inhalten fehlt? Auch bei den Quellen ist das Heimkino deshalb für praktisch jeden Einsatzzweck gerüstet. Für den Filmabend steht inzwischen ein Magnetar UDP800 MKII bereit, der den ursprünglich installierten Reavon UBR-X110 ersetzt hat. Apple TV 4K erschließt die Welt der Streamingdienste, Sky Q bringt Filme und vor allem Sport auf die große Leinwand, und mit der PlayStation 5 wird das Heimkino schließlich zur riesigen Gaming-Arena. Apple TV, Sky Q und PS5 waren dabei bereits in der ursprünglichen Planung als vorhandene Zuspieler berücksichtigt.
Ob also ein paar Runden auf der PS5, das nächste große Fußballspiel, der Lieblingsfilm auf UHD-Blu-ray oder einfach die spontane Suche nach dem passenden Film im Streaming-Angebot: Das große Bild und der immersive Sound machen aus allem ein Erlebnis, für das man diese Man Cave eigentlich gar nicht mehr verlassen möchte.
Technik, die man nicht sehen muss
Eigentlich sind die Komponenten von Marantz viel zu schön, um sie zu verstecken. Im Heimkino selbst bekommen sie trotzdem keinen Ehrenplatz: AV-Prozessor Marantz AV7706 und die beiden Siebenkanal-Endstufen MM8077 verschwinden gemeinsam mit der weiteren Elektronik sauber aufgeräumt in einem separaten Rack. Denn während eines Films soll schließlich die Leinwand die Blicke auf sich ziehen – und nicht das blaue Leuchten eines noch so hübschen Verstärkers.
Hinter den Kulissen darf dagegen ruhig geklotzt werden. Der AV7706 übernimmt als Schaltzentrale die Verarbeitung und Verteilung der Audio- und Videosignale, während die beiden MM8077 insgesamt 14 Endstufenkanäle bereitstellen. Damit steht für das installierte 7.2.4-Lautsprechersystem reichlich Verstärkertechnik zur Verfügung.
Damit man für dieses Technikarsenal nicht mit einem ganzen Strauß Fernbedienungen hantieren muss, übernimmt ein System von RTI die zentrale Steuerung. Zum Einsatz kommen eine T2x-Fernbedienung und ein XP-3-Controller, die die verschiedenen Komponenten zu einem komfortabel bedienbaren Gesamtsystem zusammenführen.
Mittendrin statt nur dabei
Das 7.2.4-Lautsprechersystem von Bowers & Wilkins umfasst elf Haupt- und Effektkanäle sowie zwei Subwoofer. Drei CT7.5 LCRS übernehmen die Frontkanäle, vier weitere Exemplare sorgen an den Seiten- und Rückwänden für die Surroundkulisse.
Für die dritte Dimension sind vier B&W CCM663 in die Decke eingelassen. Sie liefern die Höheninformationen für Dolby Atmos und erweitern die horizontale Surroundkulisse nach oben. Hubschrauber können damit tatsächlich über die Köpfe hinwegfliegen, Regen fällt akustisch von oben und auch subtilere Rauminformationen lassen sich dort platzieren, wo sie hingehören.
Während die CT7.5 LCRS an den Wänden durchaus sichtbar sein dürfen und mit ihren schwarzen Gehäusen einen reizvollen Kontrast zur warmen Holzverkleidung bilden, halten sich die vier Deckenlautsprecher optisch vornehm zurück. Lediglich ihre flachen Abdeckungen verraten, wo sie sitzen. Hören ja, sehen möglichst nein.
Für das nötige Fundament sorgen schließlich zwei B&W DB4S Subwoofer. Dabei geht es bei zwei Tieftönern nicht einfach darum, möglichst viel Bass zu produzieren. Durch ihre geschickte Platzierung lässt sich die Basswiedergabe im Raum gleichmäßiger gestalten – damit der Lieblingsplatz nicht der einzige Sitz ist, an dem Explosionen auch wirklich explodieren.
Ein Raum zum Bleiben
Am Ende sind es nicht einzelne Komponenten, die dieses Heimkino besonders machen, sondern das Zusammenspiel. Die warmen Holzflächen, der weiche Teppichboden, die indirekte Beleuchtung an Decke und Podest und die großzügigen Ledercouches schaffen eine Atmosphäre, die ebenso wohnlich wie luxuriös wirkt. Selbst die beleuchteten Stufen sind dabei mehr als ein hübscher Effekt: Sie weisen im abgedunkelten Raum sicher den Weg zu den hinteren Plätzen. Alles wirkt durchdacht, aber nicht überinszeniert. Ein Heimkino eben, in dem man nach dem Abspann vermutlich öfter sitzen bleibt, als man eigentlich vorhatte.
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